Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Religion & Philosophie

Weltreligionen und spirituelle Erhellungen sowie religiöse Bräuche, Themen und Protagonisten in Versen.


  • Callejón de la Inquisición & das zweitausendneunhundertsechste Gedicht

    Callejón de la Inquisición im Viertel Triana

    Der Hummelfluch

    Hör‘ ich den Rimski-Korsakow
    Beginnt’s zu jucken und ich hoff‘
    Dass keine Hummeln in der Nähe sind
    Denn wenn schon duellieren
    Besser nicht mit kleinen Tieren
    Weil da Sympathien vorab vergeben sind
    Denn nur Allergikern und Blagen
    Zeiht man moralisch das Erschlagen
    Vom gelb und schwarzen Fluginsekt
    Na, selber schuld, wer das nicht checkt

    AKT I

    „Ich drück‘ zart der Zichte ihr’n glühenden Stummel
    Ins Rückgrat ’ner grade hier ruhenden Hummel
    So zermalmt nun den Korpus der Schwirrkreatur
    ’ne Kombi aus Druckkraft und Temperatur
    Und knisterig ascht das Flügelpaar
    Das Leben entbeugt sich dem Hummelabdomen
    Solch Endlichkeitszeugnisse gehen mir nah
    Leicht bedrückt blick‘ ich auf die Erdrückte, denk‘: „Yo, man
    Ey, sorry, ne – is‘ sons‘ echt nich‘ meine Art
    Allzu gern hätt‘ ich dir die Tortur wohl erspart
    Nur es war halt ’ne echt blöde Koinzidenz
    Auch wenn du – als Insekt – dieses Wort gar nich‘ kenns‘
    Aber das is‘ eb’n der Punkt: diese Sache mit Darwin
    Ich mein‘, für mich hier als Mensch, dich zu töten, das war wie’n
    Gruß an den Schöpfer, sich zu re-vergewissern
    Sein Ebenbild degeneriert nicht zu Schissern
    Die trotz Krönungsjuwelen der Evolution
    Schon bei etwaig’n Nachfrag’n sich selber entthron’n
    Anstatt eindrücklich ausdrücklich Ordnung zu schaffen
    Mit Nachdruck für die, die’s wohl ohne nicht raffen:
    Wir sind keine Fauna-Fans!
    Wir sind Homo Sapiens!“

    Nun kam es, dass der Hummelschwarm
    Vom Tod der Imme Wind bekam
    Der argumentativ sich nicht erschließt
    Die Nektar-Queen schlägt Vollalarm
    Steht eh nicht auf den Schöpferkram
    Der Gliedertier’n ihr Daseinsglück vermiest
    Erklärt’s zur ausgemachten Sache:
    Jetzt geht’s um Widerstand und Rache
    Und so vollzieht sich Zug um Zug
    Die Oper-Ration Hummelfluch

    AKT II

    „Hier wohnende Drohnen und Arbeiterinnen
    Wir Hummeln sind hammlos – und doch in mir drinnen
    Brennt unbändig endlosbittre Wut
    Denn ständig man uns Böses tut
    Wieder traf’s eine, die Brut unsrer Sippe
    Qualvoll verkohlt an der Glut einer Kippe
    Ja, der Typ, der da grad Rimski-Korsakow flötet
    Hat nur so aus Spaß unser Mädchen getötet
    Ich denk‘, wir sollten solchen Assen
    Nicht einen Abgang durchgeh’n lassen
    Ihr Mord darf nicht für umme sein
    Drum auf, ihr Immen, zeigt’s dem Schwein!“
    Und fünf of le grüpp, sie formieren un trüpp
    Der vom Auftrag beflügelt sich vorwärtsbewegt
    Rischtüng ex-zischtenrauchende, flötende Büb
    Dessen Willen zu chillen sich plötzlich erregt
    Doch kaum spreizt sich sein Maul, um „Haut ab hier!“ zu schrei’n
    Flieg’n ein, zwei, drei, fünf Hummeln rein

    Das macht sich toll als Rächers Traum:
    Voll stechbereit im Rachenraum
    Wo jeder Stich sich schädlich potenziert
    Denn ’s wird ja, wenn der Hals anschwillt
    Die Luftzufuhr mit abgestillt
    Des Lebens Rest in Bestzeit dezimiert
    Nun kann solch Hinterlassenschaften
    Zwar der Gestoch’ne auch verkraften
    Doch spricht’s aus seinem fahl’n Gesicht
    Zumindest diesmal schafft er’s nicht

    AKT III

    „Junge, Junge – wat schwillt mir die Zunge
    Krieg‘ fast keine Luft mehr!“ – Er kommt seiner Gruft näh’r
    Und bevor sich das Blatt hier nun doch noch mal wendet
    Ist unser gestochener Held – och – verendet
    Auch was vordem im Schlund gesummt
    Alsbald verhallt es und verstummt
    So bleiben die fünf Hummel-Märtyrerinnen
    Zwar sehr effektiv, aber leider auch: drinnen
    Und noch eh der Typ komplett abkackt
    Versumpft man im Verdauungstrakt
    Im Darm vom Leichnam überwintern
    Alle Hummeln kurz vorm Hintern

    Doch die Königin spricht: „Lob und Preis
    Den Fünfen, die ihr Leben gaben
    Und ihren Platz im Paradeis
    Nebst Drohnen-Harem sicher haben
    Denn unser hummlischer Vater sorgt bei der für Profit
    Die sein huldhaltig‘ Reich durch die Märtür betritt
    Mög’n diese Fünf uns Hummeln ein
    Auf ewig leuchtend Beispiel sein!“
    Und so beschließt sie den Hommage-Schwung
    Glatt als Immenstaatsverarschung
    Denn das Hummelfahrtskommando
    Steckt und bleibt grad in ’nem Land, wo
    Man vergärt in „Poah!“-Fäkalien
    Voll entehrt in Vor-Analien

    Ja, das verschweigen Heilsversprechen
    Sich und andre abzustechen
    Endet stets als Hammelflug
    Lasst euch nicht führ’n zum Versuch!
    Mögen Ungerechtigkeiten
    Sich auch fürderhin verbreiten
    Und man rät, von Opferseiten
    Da mal drastisch einzuschreiten
    Irgendwann gäb’s auch mal Lohn …
    So lass sie reden, Hummelsohn!

    Auch ohne Schein und Selbstbetrug
    bleibt Hummel sein noch Fluch genug

    Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds von mir gekauft hat.


  • Hinterland & das zweitausendachthundertvierundneunzigste Gedicht

    Blick vom Bergfriedhof Ruhpolding

    Lebenslücken

    Mein Leben ist nicht komplett dokumentiert,
    Da mich vieles an mir nicht mal selbst interessiert.
    Von beschämenden Schwächen
    Von Zweifelgebrechen,
    Soll sich keine Zeile zu sprechen erfrechen!
    Mein Gelübde zu schweigen
    Wird sich euch nicht zeigen,
    Weil’s vermächtnislos nicht existiert.

    Vermutet ihr hinter den Sichtschutzwänden
    Fänden sich Verse aus schändlichen Bänden?
    Dort ist’s albern und traurig egal.

    Man kann Flecken entdecken – kein Erwecken und Schrecken.
    Und Unendlich ist nur eine Zahl.


  • Hausberg & das zweitausendachthundertdreiundneunzigste Gedicht

    Blick aus Ruhpolding

    Down to Earth

    Die Welt hat mich erwischt, als ich mich grad so sicher fühlte.
    Der Fisch stank, kaum dass sie in meinen Scheintalenten wühlte.
    Sie tischte unter Wut und Stutzen fehlerfündig auf
    Und grätschte meiner Seligkeit in den Karrierelauf.

    Die Welt hat mich erwischt, als alles wie beschlossen schien,
    Und beamte eine Fehlermeldung stoisch auf die Screen.
    Gelingt es auch den Technikern, sie manchmal wegzuklicken –
    Ich werde sie wie festgefror’n wohl immer dort erblicken.

    Die Welt hat mich erwischt, als ich mich quasi sicher glaubte.
    Die Welt nahm sich zurück, was ihr mein Selbstbewusstsein raubte.


  • Tonreste & das zweitausendachthundertsechsundachtzigste Gedicht

    In der Gmundner Keramikfabrik

    Besser wird’s nicht!

    Du musst das Unerträgliche
    Als Status Quo begrüßen!
    So wird dir das Beklägliche
    Den Morgenschiss versüßen!


  • Berliner Tor von Sanchi & das zweitausendachthundertachtundsiebzigste Gedicht

    Berliner Replik vom Tor von Sanchi am Humboldtforum - Rotes Rathaus im Hintergrund

    Der Sonne entgegen

    Heut werd ich ohne Sonnenblenden
    Der tiefsteh’nden Sonne entgegenspazieren.
    Ich zwing sie, des Resttages Wärme zu spenden –
    Sie end-gleißt, mich zu illuminieren.

    Mein Jederschritt schlenzt gringohaft
    Mit Desperado-Qualität!
    Woher solch Überschuss an Kraft?
    So deplatziert, so sinnlos spät …

    Vielleicht ist das Leben eine Scheibe
    Und man fällt übern Rand in das Nichts.
    Ich streb geblendet, blind, und treibe
    Mit glühender Stirn in den Wirr-Sog des Lichts.


  • Castel Plage & das zweitausendachthundertdreiundsechzigste Gedicht

    Castel Plage im Spätwinter

    Unter Frühlingsrebellen

    Der Wind vom Meer kommt kühl daher
    Doch die Sonne gibt sich schon verbindlich.
    Mag sein, diesen Umschwung erwünsch ich zu sehr –
    Ja, bin fürs Konträre zu blind ich?

    Im früh gewählten T-Shirt darf man sich durchaus erkälten
    Und mit jenen im Einklang dann husten und schnupfen,
    Die ähnlich frisch sich aus dem Haus heut gesellten,
    Um mutig und frohen Muts aufzumupfen.


  • Apollo Statue & das zweitausendachthundertachtundfünfzigste Gedicht

    Apollo Statue in Nizza

    Halbherzen

    Und versuch ich auch forsch voranzuschreiten,
    Ein erster Blick wendet schon um …
    Das Verdrängen muss sich ein Vergessen erfighten!
    Das klappt bereits jetzt nicht mehr. Dumm.


  • Maximiliansinsel & das zweitausendachthundertfünfzigste Gedicht

    Maximiliansinsel im Eibsee

    Habe nun, ach!

    Ich wüsste gerne so viel mehr
    Von so und so viel Dingen!
    Doch wo bekomm ich Wissen her?
    Man kann’s ja nicht erzwingen.

    Nun, unser Dasein ist begrenzt
    Von Sinn und Lebensjahren.
    Doch manches Pfiffiküsschen glänzt –
    Scheint alles zu erfahren …

    Ach, könnte ich vorm Grauen Star
    Die Nachtigall erkennen,
    Am Blatt und an der Rinde Ma-
    serung ’nen Baum benennen!

    Ach, wüsste ich vom 30jährigen Krieg
    Doch mehr als dessen Dauer!
    Und mit einem My aus dem Reich der Physik
    Wär ich bedeutend schlauer …

    Wenn ich dereinst final verderb,
    So hätt ich mein Dasein, das damit dann endet,
    Zumindest in puncto Wissenserwerb
    In vielerlei Hinsicht doch vollends verschwendet!


  • Sasseninselspiegel & das zweitausendachthundertsechsundvierzigste Gedicht

    Sasseninsel

    Die Bildschöne

    Simple Schönheit ernährt sich meistatemberaubend –
    Du entgegnest „natürlich“, das Adjektiv meinend.
    Nur: Was hier selbstverständlich ist, nähert sich glaubend –
    Den Beschreibungen weit’res Erfassen verneinend.


  • Frühlingsnebel & das zweitausendachthundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Im Nymphenburger Schlosspark

    Dieses eine Bier!

    Ein kühl und warm mich küssendes Bier
    Berinnsalt meine Kehle
    Und jeder Schluck besinnt: „Bin dir
    Ein Kleinjuwel der Seele!“

    Göttlichkeit, die längst erlöst
    Vom Religions-Gebete,
    Dass jeder Sinn schmeckt eingemöst
    Vom Sex mit Nofretete.

    Ach, tretet Jesus, Mohammed, …
    Genüsslich in die Tonne –
    Hier kommt ein Heiland, doppelt fett,
    Und rüstet mich mit Wonne!

    Auch wenn mich die mähliche Ahnung umkurst:
    Vielleicht hatt‘ ich einfach nur wirklich viel Durst.


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