Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Geld, Arbeit, Karriere

Gedichte zu den Themen Geld, Karriere, Reichtum – und die liebe Arbeit.


  • Plaza de España & das zweitausendneunhundertvierte Gedicht

    Plaza de España in Sevilla

    Vernunfterwachen trotz widriger Umstände

    Ich bin vom Urinal-Geplätscher
    Soeben eingeschlafen
    Und dachte an Frau Margaret Thatcher,
    An angestrullte Harfen.

    Ich wachte in ’ner Lache auf,
    Die ich daselbst geschaffen.
    Wenn ich dereinst mir Aktien kauf –
    So sicher nicht von Waffen.


  • Homeoffice Krupp & das zweitausendachthundertachtundneunzigste Gedicht

    Schreibtisch in der Villa Hügel

    Möbliert

    Ich seh in manchen unsrer Möbelstücke
    Noch den Wunsch nach ’nem stilvollen Leben.
    Doch mangelte hierzu es zu oft am Glücke,
    Galt’s das Kleinod in Großtrott zu weben.

    Unser Glaube, wir könnten viel größer sein,
    Ward von Opfern wie diesen gepflegt.
    Sie ragen hervor, aber wir blieben klein –
    Hab’n die Möbel dann nicht mehr bewegt.

    Doch wie gern seh dich – nicht ganz ohne Stolz –
    Vor dem edlen Designregal sitzen.
    Wir werd’n aus betrübter Erinn’rung – was soll’s!? -,
    Uns etwas Zufriedenheit schnitzen!


  • Hausberg & das zweitausendachthundertdreiundneunzigste Gedicht

    Blick aus Ruhpolding

    Down to Earth

    Die Welt hat mich erwischt, als ich mich grad so sicher fühlte.
    Der Fisch stank, kaum dass sie in meinen Scheintalenten wühlte.
    Sie tischte unter Wut und Stutzen fehlerfündig auf
    Und grätschte meiner Seligkeit in den Karrierelauf.

    Die Welt hat mich erwischt, als alles wie beschlossen schien,
    Und beamte eine Fehlermeldung stoisch auf die Screen.
    Gelingt es auch den Technikern, sie manchmal wegzuklicken –
    Ich werde sie wie festgefror’n wohl immer dort erblicken.

    Die Welt hat mich erwischt, als ich mich quasi sicher glaubte.
    Die Welt nahm sich zurück, was ihr mein Selbstbewusstsein raubte.


  • Sommer in Lauerstellung & das zweitausendachthundertsiebzigste Gedicht

    Am Strand von Pietra Ligure

    Es brüllt der Frühling:

    „Wachstum schaffen, raus die Säfte –
    Ungebremst und unbeschränkt!“

    Selten geht’s um Wirtschaftskräfte,
    Wenn man an die Lenz-Zeit denkt.
    Doch hat Dichterei-Romantik
    Mit ihr einen Promotiondeal
    Und das Image quer durchs Land zig
    Samenlose mit zum Ziel.
    Dass selbst linke Hänger werd’n des
    Kapitalismuses Anhängerschaft.
    Und man brüllt ein selbst entleer’ndes:

    „Wachstum, Wachstum – volle Kraft!“


  • Top of Eze & das zweitausendachthundertachtundsechzigste Gedicht

    Blick vom Botanischen Garten in Éze

    Die Miete
    Mein viertes – und letztes – Ripostegedicht auf „Die Made“

    Hinterrücks trifft dich die Kunde
    Einer Mieterhöhungsrunde.

    Nun, steigt die Miete übern Lohn, da
    Wird’s Zeit für ’nen Mitbewohner!
    Ein winziges möbliertes Zimmer
    Zieht in Cityvierteln immer.
    Im Prinzip nicht diffizil, irgendwen zu finden –
    Impliziert nur inklusiv, sich an ihn zu binden.
    Richtigliegen ist schier Pflicht!
    Hier bewirbt sich im Gedicht:
    Dimitri aus Merkantilien,
    Macht in Imbiss-Immobilien –
    Was vom Spirit irritiert,
    Doch dir sichtlich imponiert.
    Denn Liquidität und Business-Stil
    Sind mithin wichtig – easy Deal!

    Schwindlig fix ist man sich quitt,
    Dimitri wohnt fortan mit,
    Verspricht dir gar Beginner-Tipps
    Fürs Mitspiel’n bei den Winner-VIPs!

    Doch was hier blindlings eingestielt,
    Ad infinitum abgezielt
    Mit finanziell’m Win-Win-Motiv
    Lief zwischenzeitlich kritisch schief.
    Denn schien’s dir irgndwie, Dimitri
    Investiert in Miete nie.
    Und im dritten Monat auf Kredit
    Ziert’s dich nicht mehr vor der Bitt‘,
    Weil’s dir ziemlich dringlich ist –
    Schließlich gilt die Mietzinsfrist,
    Und irre misslich ist sein Zieren,
    Hierin sich zu involvieren.

    Doch dein triftig Insistieren
    Wird er giftig kommentieren:
    „Bitte wie – wat soll denn ditte?
    Nix mit Investier’n in Miete!
    Linkische No-Limit-Ritte
    Und von Gier gezielte Tritte
    Sind in meinem Business Sitte!“ Schitte.

    Dies ist nur witzig und fiktiv,
    Doch denk im Still’n ich instinktiv:
    Gib Parteien nur dein Like, wenn
    Diese Miethaie enteignen!
    Bislang zieht man nur kleinen Fischen die Gräten,
    Und das nimmt weiter zu – trotz mehr Diäten!

    Kein Wunder, dass Mieter, Model, Marder und Erhardts Made mit Kind
    Der Weltenmakel müde sind


  • So groß & das zweitausendachthundertvierundvierzigste Gedicht

    So groß - Skulptur am Starnberger See

    Der Schuster

    Ich werde behalten: Du warst Schuster,
    In meinem Kosmos der Schuster der Welt.
    Es war deine Werkstatt stets maximal duster
    Und alles von raschen Maschinen umstellt.

    Es schien niemand den richtigen Preis zu bezahlen,
    Als sei die Arbeit Lohn genug
    Von denen, die dich gerne weiterempfahlen
    Als Mitwisser am Selbstbetrug.

    Ich hoffe, die Rechnung ging letzten End’s auf
    Durchs probate Spendieren von Runden.
    Wer so gewichtet, zahlt vermutlich nicht drauf,
    Hat bereits unsre Zeit überwunden.

    Die Tür deiner Werkstatt fiel längst schon ins Schloss –
    Ein Verlust, der, so hoffe ich, irgend’nen Gott schert.
    Schon seltsam, wohin all die Zeit seither floss …
    Und die großen Maschinen beziffert ihr Schrottwert.


  • Markusplatz, Überflutungsvorstufe & das zweitausendachthundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Markusplatz nach Dauerregen

    Durchnässen

    Ich hab mir ein gutes Gebiss-Good erschissen,
    WC-Bons als Investitionschance ergriffen!
    Die gelten dort im Café – muss man halt wissen! –
    Als Währungsersatz. Drum auch Obacht beim Schiffen!!


  • Bad Waldsee & das zweitausendachthundertvierzehnte Gedicht

    Bad Waldsee Altstadt

    Ein Applaus an der richtigen Stelle

    Statt bald ein Weltstar, nun in Bad Waldsee.
    Klingt halt sad, doch alles schallt „Yeah!“


  • Frisiersalon, museal & das zweitausendsiebenhundertdreiundneunzigste Gedicht

    Frisiersalon vom 50er-Jahre-Museum in Büdingen

    Mit zehn (Spiel nicht mit den Schmuddelkindern)

    Mit zehn hat sich für dich ’ne neue Schulform einentschieden –
    Sie schert dich aus dem Kreuz und Quer. Wärst du doch neun geblieben
    Und hätt’st ’nen Einser weniger fürs Zeugnisblatt geschrieben!
    Dann hätt’st du einen Abschied von der alten Gang vermieden.

    Von jetzt ab geht es nur bergauf – und immer gleichgesinnter!
    Beinah‘ hätt’st du das Parallele in der Welt vergessen
    Und alles an dem Allen gleichen Kammerton gemessen!
    Doch bahnt sich dein Kulissenblick ins Ahnen vom Dahinter …


  • Takeshiba & das zweitausendsiebenhunderteinundvierzigste Gedicht

    Am Takeshiba Pier in Tokio

    An der Rezeption

    Als Hinterlanddörfler hinein in die Stadt,
    Höchstgeeignet zum Abdirrigieren.
    Du reinigst der weiten Welt Zeithabitat
    Und du willst dich für sie interessieren.

    Doch ein Job kann am Ende nur Arbeitslohn sein –
    Und die Zulagen kommen vom Chef.
    Du schnurrst mit dem Pünktlich-und-tüchtig-Verein
    Und dein Tag nährt sich aus dem Effeff.

    Wenn du nicht lächelst, lächelst du drüber hinweg,
    Und um Viertel vor gehst zu zur Pause.
    In dem Moloch der Stadt kennst du schon ein Versteck –
    Darin denkst du dann keck an Zuhause.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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