Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Essen

Meine Heimatstadt, obschon 1998 gen Hamburg verlassen, ist immer noch jedes Jahr für mindestens sechs Auftritte und unzählige Zwischenstopps gut.
Jede Menge Essen-Gedichte finden sich in meinem Buch „Büdchenzauber und Zechenverse“ (http://www.conbook-verlag.de/buecher/ruhrgebiet/)


  • I never promised you an RG & das zweitausendneunhundertdritte Gedicht

    Rosenblüte Villa Witte

    Frühling lässt sein blaues Band … (Mörike reloaded)

    Knospen knistern, Knaben knuspern
    Am Backfischgeschwärme vom letzten Jahr.
    Flügel flüstern, Winde wispern:
    Er ist’s! Er ist’s – wie wunderbar!
    Frühling lässt nun Staub erblüh’n,
    Leiber im Hormonstau glüh’n,
    Ditt kleenste Fleuchzeuch Wachstum wittern,
    Den tumbsten, dumpfsten Stumpf erzittern.
    Frühling, Du bist’s! Wir haben Dich vernommen –
    Bienvenue, welcome und herzlich willkommen!

    Du tauchst in Tau und Birkengrün
    Verdörrtes Land und fingerst kühn
    Dem winterhart gestockten Boden
    Am keimbereiten Sämlingshoden.
    Da wölbt sich Mother Natures Bauch
    Im erdigwarmen Frühlingshauch,
    Da girrt und gurrt es, summt und surrt es,
    sirrt und schwirrt es – ja, nun wird es
    Frühling! Wieder wehen traulich
    Deine Flatterbänder blau sich.
    Erde weicht sich, Kälte schleicht sich
    Und das Maienglöckchen zeigt sich.
    Mörike, Dich hör’ ick trapsen!
    Nachtigallen, Amseln, Spappsen!
    Holder Dolden Blütenpracht –
    ’s hat er wieder schön gemacht!

    Und in all dem Blüh’n, da: Welkst nur Du.
    Schaust Dir selbst beim Altern zu,
    Ahnst beim Anblick erster Falten:
    Da is’ nix mehr aufzuhalten!
    Dieser Bauch wird niemals Brett mehr,
    Deine Haarpracht nicht komplett, sehr
    Schade ist das, keine Frage –
    Doch Du hattest Deine Tage!
    Schlitterst nun mit letzter Klarheit
    Von der Ist-Zeit in die War-Heit.
    Ziehst und zerrst an Körperstellen,
    Wo sich nun die Dellen wellen,
    Denkst zurück an letztes Jahr,
    Da das auch nicht anders war.
    Doch dachtest Du: Na, das lässt sich richten!
    Mit irgendwas, mit … Ja, mitnichten.

    Blaukraut bleibt Blaukraut
    Und White Stripes bleibt White Stripes –
    Nur ich soll ergrau’n, wenn sich alles in Grün zeigt?
    Mein lieber Lenz, Du, leck mich doch!
    Wie lange war ich Dein Verfechter,
    In Deinem Sinne Worteschlächter?
    Nun frag ich mich: Kennst Du mich noch?
    Wer wärst Du ohne Lyrikstütze
    Und wem Dein Grün und Blüh’n zunütze?
    Wir haben Dir Anmut angedichtet,
    Manch Abart Dir per Vers gerichtet,
    Das Beste aus Dir rausgefischt,
    Dem Volk romantisch aufgetischt:
    Dich, den Dichter-D’Artagnan! Du
    Duselduttending der Dichtung,
    Du dankst Dein Renommee den Dichtern,
    Die Dich doch erst einst etablierten
    Als zum Star empor geschriebenen
    Refrain im Chor der Liebenden!

    Dich, den gernegroßen, sambereiten
    Vollprolet der Jahreszeiten!
    Wärst ohne unsern Wahlbetrug
    Nur Nieselreg’n und Pollenflug.
    Ein Pickeljungspund, chronisch willig,
    In allem absehbar und billig!
    Du tauchst die Welt in Schwalbenkot,
    Bringst Heuverschnupften Atemnot
    Und Cortison keult rudelweise
    Die Opfer Deiner Wucherpreise!

    Nun ziehst Du wieder durch die Länder
    Mit triebverpeiltem Dauerständer
    und prahlst, dass es halt Dein Problem bleibt,
    Wer sich das Glied heut wo in wem reibt.
    Du pfeifst auf Deine alten Texter,
    Grölst nur gen Nachwuchs „Wer ist Nächster?“

    Okay, dann geh! Du kannst da bleiben –
    Ich werd’ mich nun dem Herbst verschreiben!
    Nenn’ Frühlingsverse ein Verseh’n,
    Streb’ fortan nur noch nach Vergeh’n!
    Werd’ Laub zu Lab und Lob verdichten,
    Im Modern das Moderne sichten,
    Dass jeder dem Verfall verfalle –
    Nie vor November sich verknalle!
    Wenn waldigfaulen Pheronömen
    Die Boys and Girls entgegenströmen.
    Aus dichten Quellen weiß man ja,
    Der neue Jahreszeitenstar
    Er ist’s! Er ist’s – wie wunderbar:
    Der Herbst. Mach Dir ’n Reim drauf klar!

    Denn Versmaß rules! Und wird noch regeln
    Mit eingewachs’nen Zehennägeln,
    Um runzligpunzlig anzuschau’n,
    Den Herbst als Erbprinz aufzubau’n!
    Und ohne Abers, ohne Wenns
    Mach ich mir dann den wahren …

    Alle Rechte bei Cora Cristofolini, die das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds von mir gekauft hat.


  • Homeoffice Krupp & das zweitausendachthundertachtundneunzigste Gedicht

    Schreibtisch in der Villa Hügel

    Möbliert

    Ich seh in manchen unsrer Möbelstücke
    Noch den Wunsch nach ’nem stilvollen Leben.
    Doch mangelte hierzu es zu oft am Glücke,
    Galt’s das Kleinod in Großtrott zu weben.

    Unser Glaube, wir könnten viel größer sein,
    Ward von Opfern wie diesen gepflegt.
    Sie ragen hervor, aber wir blieben klein –
    Hab’n die Möbel dann nicht mehr bewegt.

    Doch wie gern seh dich – nicht ganz ohne Stolz –
    Vor dem edlen Designregal sitzen.
    Wir werd’n aus betrübter Erinn’rung – was soll’s!? -,
    Uns etwas Zufriedenheit schnitzen!


  • Wendeschleife Bredeney & das zweitausendachthundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Mohn in der Wendeschleife Bredeney

    Rückzugsort für Unverdrossene

    Den Kopf voll Versagen, die Haut voller Zecken,
    Ein Garten, in dem sich Triumphe verstecken –
    Das sind alles sehr zarte Pflänzchen!

    Im Stolz, was zu wagen, sich selbst überschätzen.
    Als Stammgast begrüßt auf den hinteren Plätzen.
    Doch immer noch Bock auf ein Tänzchen …

    Natürlich, da gäb es noch recht viel zu sagen –
    Nur müssen wir das auf ein Später vertagen,
    Da die Welt eh gefüllt ist von Zeilen!

    Für bislang Erlebtes: poetische Faxen.
    Doch erstmals kann ernsthaft aus Erde was wachsen,
    Wenn Rentner in Gärten verweilen.


  • Kokerei Zollverein & das zweitausendachthundertsechsundneunzigste Gedicht

    Kokerei Zollverein

    Ein weiterer (der letzte) Songtext fürs nächste Marilyn‘s Army Album „Gold“.

    Geh mir weg mit Heimat!

    Fein, du hast dich neu entdeckt, sprichst jetzt Dialekt – fein, fein!
    Das klingt keck wie adrett, du machst es dir hier nett – fein, fein, fein!
    Dein Insta-Konto misst, dass du jetzt witzig bist – fein, fein!
    Man nennt dich aufgeweckt, du sprichst Dialekt – fein, fein, fein!

    Wir werd’n uns nie verkaufen
    Haben wir gedacht und es doch gemacht
    Ja, is jetzt doof gelaufen
    Nich mal’n Freispiel drin – aber immerhin
    Du hast dich neu entdeckt, sprichst jetzt Dialekt
    Ey, geh mir weg mit Heimat!
    Es ist der alte Dreck, Du kommst hier nicht vom Fleck
    Ey, geh mir weg mit Heimat!
    Individuell sprichst du jetzt Massendialekt
    Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!
    Beheimat’st dich in dem bepissten Dialekt
    Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!

    Wir werd’n uns gut verkaufen
    Hatten wir geplant, doch vorausgeahnt:
    So viel kann niemand saufen
    Dass man Paul vergisst – weil Paul jeder ist
    Du hast dich neu entdeckt, sprichst jetzt Dialekt
    Ey, geh mir weg mit Heimat!
    Es ist der alte Dreck, Du kommst hier nicht vom Fleck
    Ey, geh mir weg mit Heimat!
    Individuell sprichst du jetzt Massendialekt
    Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!
    Beheimat’st dich in dem bepissten Dialekt
    Und du bist fett, fett, fett, fett, fett geworden!

    Geh mir weg mit Heimat!
    Geh mir weg mit Heimat!
    Ey, geh mir weg mit Heimat!


  • Grüne Soße & das zweitausendachthundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Entengrütze

    What to do

    Garten – Spaten!
    Weg – feg!
    Wiese – gieß’se!
    Beete – bete!


  • Magnolie 2026 & das zweitausendachthundertvierundfünfzigste Gedicht

    Magnolienblütwe März 2026 - in Essen

    Mag yes/no

    Ich werde die Magnolie ab jetzt Magyeslie nennen
    Und mit dieser Bejahung ihre Schönheit anerkennen.


  • Blütenpracht & das zweitausendachthundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Blüten im Echstenkämperweg

    Ein naives Gedichtgedicht

    Beim Weltuntergang sich mit Gedichten befassen?
    Als gäb’s keine weit’ren Probleme …!

    Ich weiß – doch ich kann halt von Versen nicht lassen,
    Denk immerzu nur an Poeme!

    Im Todeskampf fortwährend Reime zu suchen?
    Als zählten alleine Gedichte!

    Der Krebs will all meine Gedärme verfluchen –
    Da ich ihm von Goethen berichte …

    Mit Zahnschmerzen sich durch Metaphernrausch träumen?
    Als schwiege des Eiterherds Pochen
    Dank Zutrittsverbotes von lyrischen Räumen
    Und Karies säh ab vom Durchlochen!

    Nun, habe ich Verse – vor was wär mir bang?
    Was könnte Euterpes Glück schrecken?
    Nicht Zahnschmerzen, Krebs oder Weltuntergang
    Sind fähig, Gefühle zu wecken.


  • Entmachtete Baumkronen & das zweitausendachthundertachtzehnte Gedicht

    Winterliche Baumkronen im Kruppwald

    Kleine Erinnerung

    Eine kleine Erinnerung, die ich da hab,
    Umwegt eine Kirchenruine im Wald.
    Die fiel aus der Zeit, ist sich selbst längst ein Grab
    Und mahnt: Dein Fassaden-Dasein startet bald.

    Bald schallern aus dir allein Durchhalt’parolen –
    Dann ist’s nur ein Trotzalledem, das dich treibt.
    Vitalität lässt sich nicht wiederholen,
    Selbst wenn sie als kleine Erinnerung bleibt.


  • Speisegast & das zweitausendachthundertsiebzehnte Gedicht

    Blaumeise an Meisenknödeln

    Generationengap in der RB

    Die Rotzfahnen-Twens mit all ihrer Sickness
    Der veganunterfütterten Widerstandskraft
    Hustet mich an, dass auch ich wohl bald Wick ess.
    Die Regio-Luft tränkt bazilliger Saft.

    Eure Laune dagegen ist minderansteckend –
    Ihr wähnt euch als Aufmupfes Kinder aneckend
    Und bekommt von euch selbst nicht genug.

    Zelebriert über Handys ’ne Abstandsgewalt
    Und schon fühl ich durch euch mich grad unsagbar alt –
    Trotzdem sitzen wir im selben Zug!


  • Kruppwaldunterholz & das zweitausendachthundertsechzehnte Gedicht

    Im Essener Kruppwald

    Einsvorweg

    Dem Brändewegfresser im Unterholz
    Gebühren unvergessene Ehre und Stolz,
    Wovon Strohfeuerheizer zu viel sich einstreichen.

    Nun, vor jedem Applaus gilt: Vergleichen, vergleichen!


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

* Costa Rica
* Hawaii
* Indien
* Japan
* Kuba
* Madagaskar
* Malaysia (Borneo)
* Marokko
* Mauritius
* Namibia
* Seychellen
* Sri Lanka


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