Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

München-Gedicht

Gedichte, die in und um München spielen.


  • In memoriam & das zweitausendneunhundertvierundzwanzigste Gedicht

    Orlando-di-Lasso-Statue und zugleich Michael-Jackson-Gedenkstätte

    Abschied von München

    Irgendwann ist mir München abhanden gekommen …
    Bin doch immer so gern in der Isar geschwommen!?

    War Kur-gebräunt statt Ruhrpott-käsig,
    Doch plötzlich dachte ich, wie bräsig
    Ist diese im Selbstlob sich suhlende Stadt –
    Wie engstirnig eitel, wie flachgeistig platt?!

    Erst klang es entspannt, dann begann’s mich zu stören –
    Nun möcht ich mein Lebtag kein Bairisch mehr hören.
    Dieses mampfige Klumpengetöne entseelt,
    Dass jede Instanz eines Selbstzweifels fehlt.
    Statt Brüche nur Sprüche,
    Statt Abkehr nur Abwehr:
    Die ewige Feier der ganz dicken Eier.

    Dieses Ursprungsgesei’re in der Baumlosigkeit,
    Dieses „Good guy“-gebürstete Stillsteh’n der Zeit,
    Diese Verve-unterfettete Lässigkeitsshow …
    Alles wertet nach Ob-wer-a-Hund-is-Niveau.

    Werd wenig am Style-Fraß von München vermissen,
    Denk bei jeder Bowl-Row: „Boah, Leute, geht pissen!“,
    Jeder Teilhabedrang ist bei Null angekommen.

    Dabei bin ich sehr gern in der Isar geschwommen.


  • Sonneneinfall & das zweitausendachthundertfünfundachtzigste Gedicht

    Frühlingsblüte am Tegernse

    Schön war die Zeit (vor der nächsten Jeans)

    Und wieder riss mein Beinkleid ein
    Für eine Pimmelluke.
    Auch schwabbelte mein Oberbein
    Ins Forsch-Hinausgegucke.

    In München scheint mir solch Beleg
    Fürs lahme Outfitwechseln
    Ein doch zu pimmeliger Weg,
    Sein Image zu zerhäckseln.

    So neig ich dazu, mir deswegen
    ’ne neue Denim zuzulegen.
    Aber manch schönen Abends, da denk ich zurück
    An die Tage voll Gliedlukenhosenlochglück.


  • Kleingartenanlage NW03 & das zweitausendsechshundertneunzigste Gedicht

    Schrebergarten-Laube am Westfriedhof (ehemaliger Drehort einer Pumuckl-Folge)

    In Gern – zur Not unfreiwillig

    Den Herr’n Aliens, die erklär’n, dass sie sehr gern in Gern wär’n,
    Deren Deerns ’s jedoch schwerfällt, zu erler’n,
    Sich vom Stern zu entfer’n,
    Sollt‘ man nicht mehr verwehr’n, dass die Deerns sie hierher zerr’n.

    Denn im Kern scher’n sich Gerner
    (wie Bernie und Werner)
    niemals um plärr’nder Deerns Lärm und Beschwerd’n.


  • Reutergasse & das zweitausendsechshundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Stilleben in der Reutergasse - Aufstieg zur Burg Ljubljana

    Dieser Songtext greift schon mal vor, da „Die letzten Nächte der Westend Bohème“ ab September 2025 nach Schwabing umziehen. Da braucht es einen neuen Einstiegssong …

    Die letzten Nächte der Bohème

    Wenn das Licht versinkt
    Und oben vom Monopteros
    Ein Kiffertross noch unentschlossen hin zur Freiheit zieht

    Dort, wo Schwabing trinkt,
    Klingt bald jeder Willkommenssong
    Beklommen an, als wär’s nicht lang mehr bis zum Abschiedslied

    Da grüßen wir noch eben
    Den Rest vom süßen Leben
    In jedem „Grüß di/Servus!“ weht ja auch ein …
    Hauch von Abschied

    Refr.: Denn was heut so gut beginnt, könnte morgen schon vorbei sein!
    Der DJ schwankt noch zwischen Sex Pistols und Wham
    Es ist vielleicht nicht die, aber sicherlich schon eine
    Der letzten Nächte … für … den Rest der Bohème

    Die letzte Runde steht
    Und ein verirrter Wies’n-Touri
    Trinkt mit dir am Tresen selig seinen dritten Schnitt

    Die Mietspirale dreht
    Statt Bremse heißt es Gaspedal
    Und Scheißegal, doch jeder fragt sich, komm’n wir da noch mit?

    Da grüßen wir noch eben
    Den Rest vom süßen Leben
    In jedem „Grüß di/Servus!“ weht ja auch ein …
    Hauch von Abschied


  • Balkonien & das zweitausenddreihundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Der Rekordschneefall in München 2023 auf dem eigenen Balkon

    Moses, sach ‚ma was zu Moosach (I)

    Ach, so sacht‘ so’n Mo sei „Prost!“ auch stoßt –
    Des Maß‘ Los hoaßt: arg eingesosst!


  • Lothstraße & das zweitausendzweihundertelfte Gedicht

    Abendstimmung auf der Lothstraße in der Maxvorstadt

    Zum neuen Jahr ein altes Nein

    Dem neuen Ja(hr) verbleibt uns ja
    Nur Besseres zu wünschen –
    Und solch Spruch reimt sich offenbar
    Ausschließlichstens mit Pünschen!?

    Und schreit dann irgendein Cretin
    „Nicht zu vergessen: München!“,
    Verblasst sein Teint nach dem Refrain
    „Mein Anspruch wird dich lynchen!“


  • Wittelsbacherplatz & das zweitausendeinhundertachtundsiebzigste Gedicht

    Fotoausstellung am Wittelsbacher Platz

    Münchner Spätherbstsommertag

    Hochselig sprüht Genügsamkeit,
    Wo Münchner heut flanieren,
    Sprotzt vor gesotten satter Zeit,
    Hilft feist beim Herbst-Negieren.

    Und jeden freut’s in Warteschlangen
    Brav sich einzureihen.
    Klar, teuer wird’s, doch s’wird auch langen!
    Keinesfalls zu zeihen
    Wär, dieses werte Wetterglück
    Nicht vollends auszunutzen
    Und dann der Wolkenfront verzük-
    Kungssturköpfig zu trutzen!

    Durch München schwelgt der schöne Schwur:
    Es kann uns nichts passieren!
    Jed Dämpfer lädt zur Wellnesskur,
    Zum ungestüm Flanieren.


  • Tölendenkmal & das zweitausendeinhundertzweiundsiebzigste Gedicht

    Zinneken Pis in Brüssel

    Schwabinger Schlachtruf

    Wir wollen die Enormen sein,
    Man zwängt uns nicht in Formen rein!

    Man kriegt uns nicht bedingungslos,
    Wir sind vor allen Dingen groß!
    Wir sind wie Frau von Reventlow:
    In München ein Event und Show!

    Wir wollen uns enorm erheben!
    Als hätt’s dies nie zuvor gegeben …


  • Festbeleuchtung & das zweitausendeinhundertachtundsechzigste Gedicht

    Das Atomium bei Nacht

    Ripostegedicht auf gleich drei vom Publikum gewünschte Ursprungstexte: „Oktoberfest 100 Jahre“ von Ludwig Thoma, „Was ich habe, will ich nicht verlieren“ von Thomas Brasch und das anonym verfasste „hic liber est mein“ aus dem 18. Jhd.

    Oktoberfest 187 years, aber

    It’s raining all day cats und Hunde, aber
    I don’t care und dreh a Runde, aber
    I neverever drank my Maß im Steh’n, aber
    So far i have no free’et Plätzchen geseh’n, aber
    The price for a beer is too high zum Verwässern, aber
    The weather refrains from mal endlich Verbessern, aber
    As soon as the people stand up on the Bierbank
    Entstehender Zwischenraum frohlockt auch dir, Frank! Aber
    The music is boring and absolute fad, aber
    To wish the song „Layla“ erscheint mir too hart (to be honest) aber
    After two year’s break this song’s the einzige Chance
    For an alle verpflichtenden Bierbänketanz, aber
    To sing this song eckt echt rebellious an –
    We’re fast like the awesome young girls im Iran, aber bei uns heißt’s
    Nach ProTEST ProSIT der Gemütlichkeit
    Coronavir’nempfangsbereit (feel free)
    Denn we all came here trotz cough and nies’n
    Auf a covidliche Wies’n!


  • Föhringer Isar & das zweitausendeinhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    An der Unterföhringer Isar

    (…)

    I liege bar in Isars Strom –
    Nur Himmelblau und Wolken.
    Beim Reset auf mein Erstgenom
    Werd ich vom Fluss gemolken.

    Ein sprudelnd Dudeldiedelei
    Bespült und kühlt mein Köpfchen high –
    Nur Himmelblau und Wolken.

    Und nun ersäuft’s mir allen Reim
    Im murmelndgurgelnden Zuhause –

    Nur Himmelblau und Wolken
    Nur Himmelblau und


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