Tattoos auf der Demenzstation –
Etwas, was mich als Baby verwirrte.
Doch kurz darauf begann’s auch schon:
In allen Hospizen – nur noch Tätowierte!
Glaub mir, mein Junge, schon bald werd’n die Alten
Nur Tattoos an sich und von früher behalten
Und nicht drauf komm’n: „Was galt mir einst
Das Bildmotiv, der Spruch, die Zahl?“
Bald merkt sweet Jill, wie sie karl-heinzt –
Gezeichnet vom Ich war einmal.
Bezahlt den Maler meiner Gemälde besser als den letzten!
Weil mir die jüngsten Jahre manches gute Mal zerfetzten.
Die Umstände erfrechten sich, mein Ruhen kraus zu streichen –
Im fast entleerten Wartesaal sitzt nur noch mein Erbleichen.
Ich richte meine Zukunft ein
Als Farbstrich von Gemälden
Vom armen Pinselborstenschwein –
Vermächtnis eines Helden.
In Alte-Männer-Leibern kompostieren all die Jahre
Stumm ertrag’ner Zumutungen, ausgefall’ner Haare …
Ich werd niemals die Ruhe finden,
Den erblüh’nden Balkon zu genießen
Und meiner Privilegien Rinden
Mit Nahrhaftigkeit zu begießen.
Ich werd wie gewohnt weiter Tanzflächen mähen –
Den Besitzanspruch lass ich verprickeln,
Lausch nachsichtig trendigem Vorwürfe-Blähen,
Begnüg und vergnüg mich mit Halmebefrickeln.
Ich hab der Bundesgartenschau
Kein Blühen vorzuwerfen,
Doch nachts sympathisier ich mit
Der Wühlmaus und den Kerfen,
Dass sie das Rabiate
In der Beetversorgung pflegen,
Und das baldige Umbruch androhende Knistern
Mit galantem „Nein, ich bin dagegen!“ –
Derweil heg ich mein Pflanzgefäß und was ich dort vollbracht
Im Privilegienpflegemodus, möglichst leis und sacht.
Und auch diese Woche rast dahin … –
Schon Mittwoch, da grade erst Wochenend war!
Der nahende Freitag beschwört ein WinWin –
Das übliche „Schmied schon mal Pläne!“-Blabla.
Denn auch dieses Weekend wird sinnlos sein –
Zu viel freie Zeit bei geschlossenen Läden.
Für das bisschen an Einladung mach ich mich fein –
Im Kalendertief zieht mein Verfall seine Fäden …
Ich werde behalten: Du warst Schuster,
In meinem Kosmos der Schuster der Welt.
Es war deine Werkstatt stets maximal duster
Und alles von raschen Maschinen umstellt.
Es schien niemand den richtigen Preis zu bezahlen,
Als sei die Arbeit Lohn genug
Von denen, die dich gerne weiterempfahlen
Als Mitwisser am Selbstbetrug.
Ich hoffe, die Rechnung ging letzten End’s auf
Durchs probate Spendieren von Runden.
Wer so gewichtet, zahlt vermutlich nicht drauf,
Hat bereits unsre Zeit überwunden.
Die Tür deiner Werkstatt fiel längst schon ins Schloss –
Ein Verlust, der, so hoffe ich, irgend’nen Gott schert.
Schon seltsam, wohin all die Zeit seither floss …
Und die großen Maschinen beziffert ihr Schrottwert.
Eine kleine Erinnerung, die ich da hab,
Umwegt eine Kirchenruine im Wald.
Die fiel aus der Zeit, ist sich selbst längst ein Grab
Und mahnt: Dein Fassaden-Dasein startet bald.
Bald schallern aus dir allein Durchhalt’parolen –
Dann ist’s nur ein Trotzalledem, das dich treibt.
Vitalität lässt sich nicht wiederholen,
Selbst wenn sie als kleine Erinnerung bleibt.