Über manchen Straßennamen
Steigt ein ganzer Himmel auf:
Windiger Legenden Rahmen,
Welt für manch Gedichtverlauf,
Pflaster längst verwundner Wunden,
Mein Triumphpfad für Sekunden.
Namen, Straße, Häuser auch –
Alles war mal Schall und Rauch.
Ja, natürlich muss Italien es forsch übertreiben:
Mir sein Licht unters oberste Nasenloch reiben
Nebst der bunkerverbauten Kartoffeligkeit –
Mein von Ordnungsgehorsam geerntetes Leid
An den Provokationen der offenen Chancen!
Und wie immer macht Lebensgenuss mir Avancen.
Doch ich mich verschließen, an Heimatstolz binden
Diese Weisheit, mein Deutschsein so scheiße zu finden.
Schon wieder verpasst, diese Stadt zu erobern.
So viel an Optionen – und alle verpasst.
Und müßig scheint’s, hier nun groß auszubaldowern,
Warum du dich nun wohl für welch Schritte hasst.
Die Stadt liegt hier willig, mit allen Optionen –
Und sie alle wär’n volksnah zu fassen gewesen!
Du merkst, du wirst nicht mehr sehr lang in ihr wohnen,
Und sie lässt sich bereits als Vergangene lesen.
Allzu leicht schiebt sich nun alle Schuld auf die Stadt –
Anstatt selbst was zu tun, war ich lustlos und matt
Und wohl einfach vom Wesen her immer zu spät.
Als Hinterlanddörfler hinein in die Stadt,
Höchstgeeignet zum Abdirrigieren.
Du reinigst der weiten Welt Zeithabitat
Und du willst dich für sie interessieren.
Doch ein Job kann am Ende nur Arbeitslohn sein –
Und die Zulagen kommen vom Chef.
Du schnurrst mit dem Pünktlich-und-tüchtig-Verein
Und dein Tag nährt sich aus dem Effeff.
Wenn du nicht lächelst, lächelst du drüber hinweg,
Und um Viertel vor gehst zu zur Pause.
In dem Moloch der Stadt kennst du schon ein Versteck –
Darin denkst du dann keck an Zuhause.
Na, das ist so der Weg hin zum Supermarkt –
Der war früher völlig normal.
Und hier hab ich immer mein Radel geparkt,
Mit links und rechts einem Pedal.
Und das ist so der Weg zu ’ner jetzigen Ex –
Die hab ich einst öfter besucht.
Da gab’s den per Treffen vereinbarten Sex –
Ich war damals oft überbucht.
Und dort ist so der Weg zu dem S-Bahnhof hin –
Den konnte ich damals im Schlaf!
Der macht ohne Fahrtziel nicht allzu viel Sinn
Und an Zielen besteht kein Bedarf!
Und das ist so der Weg, da gab ich stets den Guide,
Um den Stadtteil auch günstig zu zeigen.
Jeder Weg führt in nunmehr vergangene Zeit –
Da nannt‘ ich die Stadt noch mein eigen …
Heimat ist ein Ritual
Wohldosierter Süße.
Heimat ist ’ne Postleitzahl,
Pfand für „Schöne Grüße!“.
Heimat ist ein Friedhofstor
Und kann Leere mindern.
Heimat kommt halt manchmal vor –
Lässt sich nicht verhindern.
Heimat irrt sich maßlos, dass
Ich woanders was vermiss.
Nur am ungeschönten Spaß
Spür ich nach, was Heimat is …