Tattoos auf der Demenzstation –
Etwas, was mich als Baby verwirrte.
Doch kurz darauf begann’s auch schon:
In allen Hospizen – nur noch Tätowierte!
Glaub mir, mein Junge, schon bald werd’n die Alten
Nur Tattoos an sich und von früher behalten
Und nicht drauf komm’n: „Was galt mir einst
Das Bildmotiv, der Spruch, die Zahl?“
Bald merkt sweet Jill, wie sie karl-heinzt –
Gezeichnet vom Ich war einmal.
Der Gang klingt im Frühling viel weicher,
Wenn das Winterschuhwerk letzte Gänge tritt
Als ein smoother Move’n’Groove-Schleicher,
Der noch Wochen zuvor über Eisflächen glitt.
Wie das Licht, wandeln fortschreitend sich die Geräusche …
Und behauptet jetzt nicht, dass ich mich da wohl täusche –
Nein, alles ist Frühlingserwachen.
Und ich denke mir: Soll er mal machen!
Nun, alles forciert sich aufs Winterverschwinden –
Und alles giert willig aufs Restüberwinden.
Na, ich lasse dich einfach mal blöde reden:
„Ja, safe ey, von da uber ich dann kurz rüber!“
Zwar scheint mir in dem Moment sehr viel hinüber,
Doch sag ich: „Ja, amtlich, genau Bro, auf jeden!“
Zwar scheint mir in dem Moment sehr viel hinüber …
„To be honest, die hat mich jetzt gar nicht related!“,
Bekennst du, nachdem du mit Jill dich gedated –
Ich wund’re mich grade, veau reden wir drüber?
Die Rotzfahnen-Twens mit all ihrer Sickness
Der veganunterfütterten Widerstandskraft
Hustet mich an, dass auch ich wohl bald Wick ess.
Die Regio-Luft tränkt bazilliger Saft.
Eure Laune dagegen ist minderansteckend –
Ihr wähnt euch als Aufmupfes Kinder aneckend
Und bekommt von euch selbst nicht genug.
Zelebriert über Handys ’ne Abstandsgewalt
Und schon fühl ich durch euch mich grad unsagbar alt –
Trotzdem sitzen wir im selben Zug!
Mit zehn hat sich für dich ’ne neue Schulform einentschieden –
Sie schert dich aus dem Kreuz und Quer. Wärst du doch neun geblieben
Und hätt’st ’nen Einser weniger fürs Zeugnisblatt geschrieben!
Dann hätt’st du einen Abschied von der alten Gang vermieden.
Von jetzt ab geht es nur bergauf – und immer gleichgesinnter!
Beinah‘ hätt’st du das Parallele in der Welt vergessen
Und alles an dem Allen gleichen Kammerton gemessen!
Doch bahnt sich dein Kulissenblick ins Ahnen vom Dahinter …
„Ab ins Gefecht!“,
Denkt sich der Specht
Und jettet hastig mit Gekrächz
Ins nächstgeleg’ne Astgeflecht.
Pocktock, Peckpeck, Tockpockgepecker
Steh’n Spechtisch für „Oh Mann, wie lecker!“
Ich habe als Kind im Spiel sehr viel getötet,
Pathetisch dazu Morricone geflötet,
Als ’ne Armada Playmobil
Zum Showdownschluss zu Boden fiel.
Es überlebten meist nicht mehr als vier von den Guten –
Der Rest meiner Recken aus Plastik musst‘ bluten …!
Doch es mildert’s Gemetzel, solang man im Kopf hat:
Es wird kein Figürchen für immer geopfert.
Selbst wenn mir ein Typus so gar nicht gefiel –
Ich braucht‘ ihn als Bösewicht fürs nächste Spiel
Und um nichts in der Welt hätt ich auf ihn verzichtet!
Ich denk, im Reallife wird eh’r lässig vernichtet.
Ach, ihr seid noch gar nicht vorbestraft?!
Hat man euch nie erwischt?
Habt ihr per Ausseh‘n mich verarscht,
Verruchtheit aufgetischt?
Rasiert man außerhalb vom Knast sich
Denn derart hart den Schädel?
Blasiertheit war‘s allein, dass fast ich
Evakuiert‘ mein Städel!
Die Tattoowucht entsprang allein
Spätjugendlichen Zwängen?
Gefängnis stünd euch wirklich fein!
Ich will euch da nicht drängen,
Doch optisch passt ihr wunderbar
Auf den Justizvollzugsalltar!
Die Härte, die ihr darstell‘n wollt –
Die ließ sich dort beweisen!
Ihr würdet nur, dort reingetrollt,
Halt weniger verreisen.
Furzende Jugendliche sind meistens ganz leise
Und duften in Grüppchen ihr Viertelchen scharf.
Sie rüpeln sich aufwärts mit hörbarer Meise –
Sind in der Erfüllungswucht voller Bedarf.
Und furzen und furzen und bleiben dabei,
Erzählt auch der Rektor: „Nun geht – ihr seid frei!“
Furzende Jugendliche bleiben als Sorge besteh’n,
Ihr Hier-Sein in keinerlei Morgen zu dreh’n.
Man fragt: „Wollt ihr Pommes?“ – sie furzen und lachen.
Und Welt muss sich dreh’n trotz solch störrischer Sachen.
Und sie dreht sich! Und die Jugend wird furzen und furzen.
Es greift jeder Vorwurf auch etwas zu kurz, denn
Wir hab’n uns ärschlich längst pazifiziert,
In mancherlei Nachhinein niedergeniert.
Was hat Pubertät an uns übelst gerochen!
Ich fühl trotz der Knackser mich noch nicht gebrochen
Und in Wellnesshotel lass ich oft einen geh’n –
Als konnte das Heute mein Früher versteh’n.