Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Herbst

Herbstgedichte!


  • Moosacher Beeren & das zweitausendsiebenhundertachtundachtzigste Gedicht

    Herbst in Moosach

    Eichenlaub

    Von meiner spät entschloss’nen Eiche
    Schwebt stetig, jeden Augenblick
    (auch wenn mir schwant, das ist ein Trick),
    Ein braun-entfärbtes Blatt hinab.

    Da ich das mit dem Baum abgleiche
    (der, wenn man ihn bedächtig misst,
    Nicht wirklich übermächtig ist),
    Ich Folgendes errechnet hab:

    Entlaubt er sich in jenem Takt
    (was selbstverständlich in der Nacht
    So niemand wirklich überwacht),
    Wär dieser Baum längst licht.

    Warum die Krone noch nicht nackt
    Trotz permanentem Starkverlust
    (war mir bislang auch ungewusst),
    Enthüllt nun dies Gedicht:

    Fühl’n sich die Blätter nicht beachtet
    (ob sichtgeschützt, ob weil es nachtet),
    Dann treten sie den Rückmarsch an

    Vom Stamm zum Ast zum Zweig zurück;
    Man rastet ein mit leisem Klick –
    Schon hängt man wie zu Anfang dran!

    Drum braucht der Abfall vom Behang
    Auch dieses Jahr besonders lang.


  • Tyssaer Wände & das zweitausendsiebenhundertneunundsechzigste Gedicht

    Auf den Tyssaer Wänden

    Herbstfarben

    Du bist der begnadetste Waldmaler, Herbst!
    Wenn du ihn schwungvoll golden färbst,
    Wird’s allen andren Jahreszeiten
    Unverwandt viel Neid bereiten.

    Dort tupft sich ein Laubdach,
    Da hupfen Kastanien –
    Ein Wort wird entstaubt, ach,
    Das klingt wie Arkadien.

    Im Wald, da geraten
    Frühling, Sommer wie Winter,
    Mit all ihren Taten
    Ins hinterste Hinter-
    treffen. Du pfefferst verlässlich mit Farben
    Aufs eigentlich grässliche Tor in das Darben.


  • Am Prager Hradschin & das zweitausendsiebenhundertsiebenundsechzigste Gedicht

    Am Prager Hradschin im Herbst

    Erwärmte Erkältung

    Du Erkältungssymptom in der herbstlichen Sonne,
    Bist verknittertes Elend, entblätterte Wonne,
    Mit schwerem Atem und erleichtertem Sinn.
    Auch wenn’s anstrengend scheint – heut bekomm ich was hin!

    Ich weiß, diese Krankheit ist nicht überwunden,
    Doch ich zerr aus dem Würgegriff fröhliche Stunden –
    Ja, Herbst und Erkältung, ihr kriegt mich nicht klein!
    Denn die Sonne scheint auf meiner Seite zu sein.


  • Essener Jesus & das zweitausendfünfhundertfünfunddreißigste Gedicht

    Essen Light Festival 2024 im Essener Dom

    Die Rechnung im Oktober

    Beköstigt mich mit Lakonie und elegantem Reim,
    Mit einer scheuen Melodie von Element of Crime!

    Das Altvertraute ist der Krug der Wein- und Käsekenner –
    Es mindert allen Daseinsdruck der alten weißen Männer.

    So’n Sonnenstrahl wiegt im Oktober gescheiter denn im Mai!
    Die Rechnung kam zu früh, Herr Ober! Bin weiter mit dabei.


  • Schlossparkkanal & das zweitausendfünfhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Gondel im Schlosspark Nymphenburg

    Eine Busfahrt bei Regen

    Der Bus, er durchrädert ein Pfützengespritze,
    Feuchtneblig erblinden die Scheiben.
    Die vom Sommer noch kürzlich beschienenen Sitze
    Erklammt neues Kühl, um zu bleiben.

    Es wird Herbst, schreit die tropfnasse Kondensation.
    Es bleibt sommerlich, kontert mein Hoffen.
    Doch die Busfahrerdurchsagen ändert ein Ton,
    Der macht mich bedenklich betroffen.

    Ich bestelle dem Sommer zehn Comebackabsichten,
    Mit Lieferzeit zwei bis drei Wochen.
    Bis dahin mag Regen sein Unheil verrichten,
    Den Sommer zur Abheftung lochen.

    Es wird Herbst, hört man’s Frühchen der Dunkelheit plärren.
    Es bleibt sommerlich, schnauz‘ ich zurück.
    Werd‘ mich mit viel Beharr gegen’s Aufgeben sperren,
    Bewahr‘ meine Rolle im Stück
    „Eine Busfahrt bei Regen“.

    Ich mag mich deswegen ja gar nicht beklagen,
    Werd‘ weiter vom Hof der Gewissheit verjagen,
    Was Schlusspunktesetzer in Hetze platzieren.

    Noch geht die Fahrt weiter, kann so viel passieren …


  • Fälle im Regen & das zweitausenddreihundertfünfundvierzigste Gedicht

    Iguazu-Fälle von der brasilianischen Seite einen Tag vorm Rekordhochwasser

    Herbst in der Rückschau

    Da wir durchstolpern Nebelbänke
    Im farblos späten Jahr,
    Durchquer’n wir holprig manche Senke,
    Die gar nicht offenbar.

    Die bare Undurchsichtigkeit
    Umsorgt die Welt mit Milde.
    So sind wir über manches Leid
    Im Frühling erst im Bilde.

    Da wir im Rückblick uns beseh’n
    Zurückgelegte Strecke,
    Begreifen dann, wie uns gescheh’n
    Im Grau der Wolkendecke.

    Verheilte Wunden schmerzen nicht,
    Vererbt vom Ungewussten.

    Sie lindern sich zum Unterricht,
    Den wir verwinden mussten.

    Alle Rechte bei Tom Droste, der das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.


  • Wittelsbacherplatz & das zweitausendeinhundertachtundsiebzigste Gedicht

    Fotoausstellung am Wittelsbacher Platz

    Münchner Spätherbstsommertag

    Hochselig sprüht Genügsamkeit,
    Wo Münchner heut flanieren,
    Sprotzt vor gesotten satter Zeit,
    Hilft feist beim Herbst-Negieren.

    Und jeden freut’s in Warteschlangen
    Brav sich einzureihen.
    Klar, teuer wird’s, doch s’wird auch langen!
    Keinesfalls zu zeihen
    Wär, dieses werte Wetterglück
    Nicht vollends auszunutzen
    Und dann der Wolkenfront verzük-
    Kungssturköpfig zu trutzen!

    Durch München schwelgt der schöne Schwur:
    Es kann uns nichts passieren!
    Jed Dämpfer lädt zur Wellnesskur,
    Zum ungestüm Flanieren.


  • Grote Markt & das zweitausendeinhundertdreiundsiebzigste Gedicht

    Der Große Markt in Brüssel

    Bilanz im Herbst

    Gülden streicht der Seelenpinsel
    Mit der weichsten Quaste
    Und erwärmte Blattgerinnsel,
    Sprungbereit vom Aste,
    Fangen seine Farbe ein.

    Ich wollt dieses Jahr noch küssen,
    Ehe es mir blindet,
    Dass man’s in den Zeitenflüssen
    Einst auch wiederfindet,
    Ihm noch etwas Glanz verleih’n!

    Doch schon ruht im späten Licht
    Weisheit wider Ehrgeiz,
    Schnurrt in Schönheit: Sorg dich nicht,
    Jedes Jahr birgt mehr Reiz!


  • Middle of E & das eintausendneunhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Essener Hauptbahnhof

    Vor abermals verregneten Scheiben

    Und mit jedem herbstnen Regenfall
    Berichtigt sich mein Blick.

    Verschwommen tropft sich auf ein Wall,
    Ein unvernomm‘ner Klick
    Linkt zurück ins Graueinst – nunmehr ein Idyll.
    Behauptet als Raubein, steh stad ich und füll
    Die Welt in den Mauern von zu kalten Scheiben
    Wie ein verzwergtes Jenseits auf.
    Jenes lässt vom Elan sich längst schlechter vertreiben –
    Ich nehm‘s als Alter gern in Kauf,
    Da das Jetzt wie zum Trotz sich mit Unverstand schmückt,
    Eine kindliche Bootsfahrt mich stärker entzückt.

    Bis ich dämmrig mich mit diesem Fazit versöhn:
    Mein Leben war – nicht ist – noch schön.


  • Nachtsonne & das eintausendneunhundertdreiundzwanzigste Gedicht

    Sahara Dünen bei Erg Chebbi

    Novembersonne

    Im Herbst schaut die Sonne nur brummelnd herunter:
    „Ick komm heut nur wegen dem Licht!“
    Schon geht sie im Rücken der Häuserwand unter –
    Die scheint mir jetzt doppelt so dicht.

    Die Häppchen bemüh’n sich den Fakt auszublenden:
    Der Hauptgang fällt weiterhin aus!
    Die Startformation ist schon ready zu wenden –
    Im Schlepptau verebbt ihr Applaus.


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


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