Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und danach einige Jahre noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender. Mittlerweile viel zu selten.
Über manchen Straßennamen
Steigt ein ganzer Himmel auf:
Windiger Legenden Rahmen,
Welt für manch Gedichtverlauf,
Pflaster längst verwundner Wunden,
Mein Triumphpfad für Sekunden.
Namen, Straße, Häuser auch –
Alles war mal Schall und Rauch.
Sodann beschloss der Februar,
Dass dieses Jahr ein Schaltjahr war.
Und man schalt einander bis zur Spaltung,
Verdammte stets die Ampelschaltung:
„Leuchten Rot, Gelb und Grün – heißt das Fahr‘n oder Halten?!“
Ist ein Schaltjahr die Chance, einmal schneller zu schalten?
Die Fregatte „Hessen“ kriegt ihr Go!,
Den „Taurus“ bremst das Kanzler-“No!“
Der Ukrainekrieg feiert den zweiten Geburtstag,
Macron denkt ob Bodentruppeinsätze kurz nach,
Es lässt die Wut im Gazastreifen
Die nächste Brut der Hamas reifen,
Zum Berlinale-Finale lärmen Antisemiten
Und die Bild fragt: „Frau Roth, lassen Sie sich das bieten?“
Ja, die Welt scheint in Entscheidungsnot:
Wie, wann und wo intervenieren?
Plötzlich heißt es, pardauz!, „Der Nawalny ist tot!“
Ja, wie konnte denn sowas passieren?
Die Konflikte, die Krisen, die Kriege – sie drängeln,
Dringen uns ins Gemüt wie Saharasand –
Vielleicht gräbt das Bezahlkarten-Flüchtlinge-Gängeln
Einen dichteren Ruhewall um unser Land!?
Drinnen jagen wir emsig RAF-Pensionäre –
Auf dass die Welt bald sich‘rer wäre.
Was sie am letzten Februar
Dann leider Gottes doch nicht war.
In Klein-Venedig sind jetzt manch
Großkopferte gelandet,
Die laden generös zum Lunch.
Wer hier vordem gestrandet
Lobt angesäuert: „Schön jemacht –
Da ließ sich wer wat kosten!“
Die trag’n noch Dialekte-Tracht
Mit Sehnsuchtsblick nach Osten.
Ich werde womöglich mich nie dran gewöhnen,
Dass man sich an alles gewöhnt.
Sollt‘ ich denn dem Pool der Gewohnheiten höhnen,
Wenn alles in mir klagend stöhnt?
Der Lift im Berliner Hauptbahnhof
Ist die lahmste Praline der Welt –
Man spürt auf der Fahrt: „Ich bin auch Philosoph“
Und bestaunt, wo der überall hält.
Das auf ewig verzögerte Öffnen der Türen
Will hier einen Maestro der Langsamkeit küren.
Das Schließen verschlingt sogleich ähnlich viel Zeit –
Und lang darauf ist man dann abfahrtbereit.
Ich weiß ganz bestimmt, dass Berlin viele hassen.
Wer den Aufzug nimmt, wird es sobald nicht verlassen.